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Levodopa nach einem Schlaganfall: Hilft es gegen Depressionen?

21. April 2026 · ·

Depressionen nach einem Schlaganfall (Post-Stroke Depression, PSD) sind keine Seltenheit: Etwa 25 % aller Betroffenen leiden darunter. Da diese psychische Belastung die Genesung und Rehabilitation massiv behindern kann, suchen Forschende intensiv nach neuen Wegen der Vorbeugung und Therapie.

Im Rahmen der Schweizer ESTREL-Studie (siehe Blog vom 29.9.2025) wurde in einer Beobachtungsstudie auch verglichen, inwiefern das Medikament Levodopa Depressionen nach einem Schlaganfall beeinflussen kann. Levodopa ist ein Wirkstoff, der im Gehirn zu Dopamin umgewandelt wird. Die Studienergebnisse, welche 2026 im European Stroke Journal erschienen sind, zeigen nun, dass die Einnahme von Levodopa zu keinem Unterschied für das Auftreten und die Schwere einer Depression nach einem Schlaganfall geführt hat. An der Untersuchung waren mehrere Ärzte und Therapeuten der Rehabilitation und Neurologie der UAFP beteiligt.

Der Hintergrund: Warum Levodopa?

Dopamin spielt eine zentrale Rolle für unsere Motivation und emotionale Stabilität. Bei Schlaganfall-Patienten wurden oft niedrige Dopaminwerte festgestellt, was als eine mögliche Ursache für Depressionen gilt. Die Theorie: Wenn man den Dopaminspiegel durch die Gabe von Levodopa künstlich erhöht, könnte dies die Stimmung stabilisieren und den Rehabilitationserfolg verbessern.

Die Studie: So wurde getestet

Die ESTREL-Depressions-Studie war eine Beobachtungsstudie innerhalb der ESTREL-Studie in der Schweiz.

  • Teilnehmende: 407 Patientinnen und Patienten nach einem akuten Schlaganfall.

  • Ablauf: Eine Gruppe erhielt über 39 Tage hinweg dreimal täglich Levodopa, während die andere Gruppe ein wirkungsloses Scheinmedikament (Placebo) bekam.

  • Messung: Nach drei Monaten wurde mithilfe eines standardisierten Fragebogens (PROMIS) geprüft, ob und wie stark die Teilnehmenden unter Depressionssymptomen wie Hilflosigkeit oder Hoffnungslosigkeit litten.

Das Ergebnis: Ernüchterung in der Forschung

Trotz der theoretischen Hoffnung zeigten die Ergebnisse ein klares Bild:

  • Kein Unterschied: In der Levodopa-Gruppe litten 26 % der Teilnehmenden an Depressionen, in der Placebo-Gruppe waren es 28 %. Dieser Unterschied ist statistisch nicht bedeutsam.

  • Keine Auswirkung auf den Schweregrad: Auch bei der Schwere der depressiven Symptome gab es keine nennenswerten Unterschiede zwischen den Gruppen.

  • Fazit der Forschenden: Die Gabe von Levodopa während der stationären Rehabilitation hat keinen Einfluss darauf, ob eine Post-Stroke Depression auftritt oder nicht.

Was bedeutet das für Betroffene?

Die Studie zeigt, dass eine einfache Erhöhung des Dopaminspiegels allein wahrscheinlich nicht ausreicht, um Depressionen nach einem Schlaganfall wirksam zu bekämpfen. Die Entstehung von Depressionen nach einem Hirninfarkt ist komplex und hängt vermutlich von vielen verschiedenen Faktoren ab.

Für die klinische Praxis bedeutet dies, dass Levodopa aktuell keine geeignete Option zur Vorbeugung oder Therapie von Depressionen nach einem Schlaganfall ist. Die Forschung muss sich nun auf kombinierte Ansätze oder individuellere Behandlungsstrategien konzentrieren, um Betroffenen in Zukunft besser helfen zu können.