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Logopädie in der UAFP

Wenn Sprache, Stimme und Schlucken ins Stocken geraten – Logopädie in der Universitären Altersmedizin FELIX PLATTER

14. April 2026 · ·

Sigrid Tränker lacht, wenn sie erzählt, wie sie zur Logopädie kam. «Ich habe Soziale Arbeit studiert und als Sozialarbeiterin gearbeitet. Dann habe ich eines Tages in der Zeitung gelesen, dass noch Ausbildungsplätze in der Logopädie frei sind.» Eine Randnotiz, die ihr Leben verändern sollte. Was als Neugier begann, wurde zur Leidenschaft und zu einem Beruf, den sie heute seit über 30 Jahren ausübt. Seit sechs Jahren ist sie Logopädin in der Universitären Altersmedizin FELIX PLATTER.

Logopädie ist nicht nur für Kinder

Viele verbinden Logopädie mit Kindern, die das «R» üben oder die Aussprache trainieren. Dass dieser Beruf auch im Alter eine entscheidende Rolle spielt, ist weniger bekannt. Dabei können zahlreiche Erkrankungen, die typischerweise im höheren Lebensalter auftreten, direkte Auswirkungen auf die Sprache, das Sprechen, die Stimme und das Schlucken haben. «Wenn man älter wird, nehmen alle Fähigkeiten durch chronische und akute Erkrankungen ab», erklärt Sigrid. «Das betrifft auch die Bereiche, für die wir als Logopädinnen und Logopäden zuständig sind.»

 Was Logopädie im Alter behandelt

Schluckstörungen, sogenannte Dysphagien, gehören zu den häufigsten Gründen, weshalb ältere Menschen logopädische Unterstützung benötigen. «Viele denken, das Schlucken passiert einfach so. Dabei ist es ein hochkomplexer Vorgang und wenn er nicht mehr reibungslos funktioniert, hat das massive Auswirkungen auf Ernährung, Gesundheit und Lebensqualität.»

Doch Logopädie im Alter umfasst weit mehr. Sprechstörungen auch Dysarthrien genannt, entstehen etwa durch Gesichtslähmungen oder neurologische Erkrankungen wie Parkinson und äussern sich darin, dass Betroffene Laute nicht mehr klar und kontrolliert bilden können. Sprachstörungen, sogenannte Aphasien, betreffen das gesamte Sprachsystem: Nach einem Schlaganfall, einer Hirnblutung oder im Verlauf einer Demenz fällt es Betroffenen schwer, Worte zu finden, zu verstehen oder sich schriftlich auszudrücken. Und schliesslich gibt es Stimmstörungen, die Dysphonien, welche häufig nach onkologischen Eingriffen, etwa bei Kehlkopfkrebs, auftreten und die Stimme grundlegend verändern können.

 Was auf dem Spiel steht

Die Folgen unbehandelter Schluck- oder Sprachprobleme sind gravierend. Bei chronischen Erkrankungen wie Parkinson verschlechtert sich der Zustand ohne Therapie rapide. Ziel ist es dann, die bestehenden Fähigkeiten zu erhalten und manchmal sogar leichte Verbesserungen zu erzielen. Bei akuten Ereignissen wie einem Schlaganfall hingegen können durch gezielte Therapie oft deutliche Fortschritte erreicht werden. «Die erste Stunde ist immer eine Befundstunde», erklärt Sigrid. «Wir schauen genau hin, was noch geht und wo die Unterstützung ansetzt. Diese Einschätzung wird im Verlauf der Therapie immer wieder angepasst und gemeinsam mit den Patientinnen und Patienten neu bewertet.»

 Eine Patientin, die sie nicht vergisst

Sigrid hält kurz inne, bevor sie von einer Patientin erzählt, die ihr besonders in Erinnerung geblieben ist. Eine Frau, die mitten aus dem Leben gerissen wurde: verantwortungsvoller Job, aktiver Lebensstil, leidenschaftliche Motorradfahrerin. Nach einem schweren Schlaganfall war sie linksseitig vollständig gelähmt und hatte eine ausgeprägte Aphasie. Das gesamte Sprachsystem war betroffen; Lesen, Schreiben und Sprechen mussten von einem sehr niedrigen Niveau aus neu aufgebaut werden.

«Was mich beeindruckt hat, war ihre Haltung», sagt Sigrid. «Sie hat sich mit der Situation abgefunden, nicht resigniert, sondern wirklich angenommen, und war unglaublich motiviert, das Beste daraus zu machen. Sie war ehrgeizig, resilient und oft auch humorvoll.» Heute lebt die Frau selbständig, organisiert ihren Alltag eigenständig und pflegt ihre sozialen Kontakte, unter anderem über soziale Netzwerke. Möglich wurde das auch, weil sie lesen und schreiben neu erlernt hat. «Das ist Logopädie im besten Sinne: nicht nur Sprache zurückgeben, sondern Teilhabe am Leben.»

 Wo das Menschliche im Mittelpunkt steht

Was Sigrid Tränker nach mehr als drei Jahrzehnten noch immer antreibt? Die Verbindung zu den Menschen und der Zusammenhalt im Team. Als Logopädin unterstützt sie dabei, wo immer es geht: Sie gibt der Pflege Tipps für die Essbegleitung, hilft beim Übersetzen zwischen Patientinnen, Patienten und dem Team und ist Ansprechpartnerin für alle, die mit Sprach-, Schluck-, oder Stimmproblemen konfrontiert sind. «Der Zusammenhalt im Logopädie-Team, aber auch interprofessionell, das ist etwas, das ich sehr schätze.»

Was rät sie Angehörigen, die plötzlich mit dieser Situation konfrontiert sind? «Da sein für die betroffene Person, aber auch für sich selbst. Man kann nur unterstützen, wenn es einem selbst gut geht. Sich Hilfe zu holen und Hilfe zuzulassen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke.»

Haben Sie Fragen zur Logopädie der Universitären Altersmedizin FELIX PLATTER oder möchten Sie eine Zuweisung vornehmen? Wir freuen uns über Ihre Nachricht an Therapiekoordination@felixplatter.ch.