
Vom Spital zurück in den Alltag: Warum Rehabilitation nicht an der Spitaltür endet
Nach einem Schlaganfall ist der Weg zurück in den Alltag oft länger als der Aufenthalt im Spital. Das Beispiel von Frau M. zeigt, wie stationäre Rehabilitation, Tagesklinik und ambulante Therapien ineinandergreifen – und warum gerade diese Kontinuität entscheidend ist.
Plötzlich ist vieles nicht mehr selbstverständlich
Frau M. ist 81 Jahre alt und lebt mit ihrem Ehemann im zweiten Stock eines Mehrfamilienhauses ohne Lift. Bis zu ihrem Schlaganfall war sie weitgehend selbstständig, ging regelmässig spazieren und führte den Haushalt gemeinsam mit ihrem Ehemann.
Der Schlaganfall verändert ihren Alltag grundlegend: Eine linksseitige Lähmung, eine leichte Schluckstörung sowie eine deutlich verminderte Konzentrationsfähigkeit machen selbst vertraute Tätigkeiten zur Herausforderung. Zu Beginn der stationären Rehabilitation kann Frau M. nur mit Unterstützung wenige Meter am Rollator gehen. Sie benötigt Hilfe bei der Körperpflege und beim Ankleiden, und auch Essen, Trinken und Kommunikation sind beeinträchtigt.
Stationäre Rehabilitation: die ersten grossen Schritte
In der stationären Rehabilitation macht Frau M. deutliche Fortschritte. Beim Austritt kann sie mit dem Rollator selbstständig auf der Ebene gehen, Transfers weitgehend alleine durchführen, sich teilweise selbst anziehen und mit erlernten Strategien sicher essen und trinken.
Doch reicht das für den Alltag zu Hause?
Hier zeigt sich, wie wichtig der Blick des gesamten Behandlungsteams ist. Während Frau M. beispielsweise 50 Meter mit dem Rollator gehen kann, beobachtet die Ergotherapie, dass sie bei einer konkreten Alltagshandlung ihre Aufmerksamkeit verliert und den Rollator stehen lässt. Auch beim Toilettengang oder beim Trinken bestehen noch Risiken. Erst das Zusammenspiel von Physiotherapie, Ergotherapie, Pflege und Logopädie ergibt ein realistisches Bild ihrer Selbstständigkeit.
Tagesklinik: die Brücke nach Hause
Deshalb führt Frau M. ihre Rehabilitation in der Tagesklinik weiter. Zweimal pro Woche verbringt sie dort einen Therapietag und kehrt am Abend wieder nach Hause zurück.
Dort arbeiten Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Neuropsychologie und rehabilitative Pflege koordiniert zusammen. Ziel ist es, intensive Therapie zu ermöglichen und gleichzeitig die Rückkehr ins häusliche Umfeld zu unterstützen.
Nach zwölf Wochen ist Frau M. erneut deutlich selbstständiger. Sie beherrscht den Rollator sicher und übt bereits mit dem Gehstock. Mit der Ergotherapie hat sie einen Ablauf für ihre Morgenroutine erarbeitet, den sie nun selbstständig umsetzen kann. Der Toilettentransfer gelingt sicher, und für das Schlucken wurden Strategien erarbeitet, die auch ihr Ehemann kennt.
Ambulante Therapie: damit Fortschritte im Alltag bestehen
Nun verändert sich die Therapie erneut. Es geht zunehmend darum, das Erreichte langfristig zu sichern und Frau M. grösstmögliche Selbstständigkeit und soziale Teilhabe zu ermöglichen.
Die Physiotherapie kombiniert beispielsweise medizinische Trainingstherapie in der Gruppe mit Einzeltherapie und Sturzprophylaxe. Die Ergotherapie arbeitet am Energiemanagement. Die Logopädie kann vorerst abgeschlossen werden – mit der Möglichkeit, bei Bedarf wieder aufgenommen zu werden. Das Ziel ist, dass der Alltag von Frau M. wieder gelingt.
Der Fall von Frau M zeigt: Ambulante Therapien sichern die Behandlungskontinuität und fördern die Selbstständigkeit. Sie schliessen eine wichtige Versorgungslücke zwischen Akutspital, Rehabilitation und dem Leben zu Hause.
An der Universitären Altersmedizin FELIX PLATTER profitieren Patientinnen und Patienten von einem breiten Therapieangebot: Verschiedene Disziplinen arbeiten unter einem Dach eng zusammen. Spezialisierte Fachpersonen für Altersmedizin und eine moderne Infrastruktur ermöglichen eine Therapie, die gezielt auf die Bedürfnisse älterer Menschen und ihren Alltag ausgerichtet ist.