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Demenz

Neue Hoffnung bei Alzheimer – Fortschritte bei Diagnostik, Therapie und Forschung

23. December 2025 · ·

Demenz ist ein Sammelbegriff für erworbene, anhaltende Störungen geistiger Fähigkeiten, die so ausgeprägt sind, dass sie den Alltag deutlich beeinträchtigen. Sie kann verschiedene Ursachen haben. Am häufigsten liegt eine neurodegenerative Erkrankung zugrunde, insbesondere die Alzheimer Krankheit. Auf biologischer Ebene kommt es dabei zu einer fortschreitenden Störung von Gehirnnetzwerken: Die Verbindungen zwischen Nervenzellen, die Synapsen, funktionieren zunehmend schlechter oder gehen verloren. Für Betroffene und Angehörige bedeutet Demenz jedoch mehr als Veränderungen im Gehirn. Häufig gehen auch Selbstständigkeit, berufliche Rolle, soziale Teilhabe und ein Gefühl von Vertrautheit im Alltag schrittweise verloren.

Alzheimer entsteht Jahrzehnte vor ersten Symptomen

Die Alzheimer Krankheit beginnt nicht erst dann, wenn Beschwerden deutlich werden. Die biologischen Veränderungen entwickeln sich meist über viele Jahre, häufig über Jahrzehnte. Im Zentrum stehen Veränderungen zweier Eiweisse: Amyloid beta, das sich ausserhalb von Nervenzellen zu Ablagerungen (Plaques) zusammenlagern kann, und Tau, ein Protein im Inneren der Nervenzellen, das sich krankhaft verändert und ebenfalls Ablagerungen bildet. Diese Prozesse stören schrittweise die Kommunikation zwischen Nervenzellen und erhöhen das Risiko, dass Nervenzellen und Netzwerke ihre Funktion verlieren. Erste Symptome können Gedächtnislücken sein, etwa das Vergessen von Terminen oder Nachrichten, Schwierigkeiten bei komplexeren Aufgaben oder Wortfindungsprobleme. Manchmal stehen auch nachlassendes Selbstvertrauen, Antriebsmangel oder eine erhöhte Fehleranfälligkeit im Alltag im Vordergrund. Nicht jedes dieser Anzeichen bedeutet Alzheimer, aber sie sind häufige Gründe für eine Abklärung.

In den letzten Jahren hat sich die Diagnostik stark verändert, weil sich die Alzheimer Krankheit heute nicht nur anhand von Symptomen, sondern auch anhand biologischer Krankheitsmerkmale nachweisen lässt. Solche Biomarker zeigen, ob Alzheimer typische Amyloid und Tau Veränderungen vorliegen. Amyloid und Tau PET Untersuchungen können entsprechende Ablagerungen im Gehirn sichtbar machen. Im Nervenwasser lassen sich typische Veränderungen von Amyloid beta und Tau messen, die sehr früh im Krankheitsprozess auftreten können. Bluttests werden zunehmend eingesetzt, um Hinweise auf eine Alzheimer Pathologie zu erhalten, insbesondere als niederschwelliger erster Schritt in der Abklärung. Entscheidend ist eine Diagnose, die nicht nur beschreibt, ob eine Demenz vorliegt, sondern die Ursache so sicher wie möglich klärt, insbesondere wenn eine krankheitsmodifizierende Therapie in Frage kommt.

Demenz vorbeugen: beeinflussbare Risikofaktoren

Parallel zur Diagnostik gewinnt Prävention an Bedeutung. Alter und genetische Veranlagung lassen sich nicht verändern, aber ein Teil des Risikos für Demenz und auch für eine spätere Alzheimer Erkrankung hängt mit Faktoren zusammen, die man beeinflussen kann. Dazu gehören eine konsequente Behandlung von Bluthochdruck und Diabetes, das Erkennen und Behandeln von Hörverlust, Rauchstopp, regelmässige körperliche Aktivität und die Abklärung sowie Behandlung von Schlafstörungen, insbesondere Schlafapnoe. Diese Massnahmen bieten keine Garantie, sie können das Risiko jedoch senken und sind unabhängig davon wichtig, weil sie Herz, Gefässe und Gehirn insgesamt schützen.

Neue Antikörper-Therapien: erstmals krankheitsmodifizierend

Ein besonders wichtiger Fortschritt sind neue Anti Amyloid Antikörpertherapien. Mit Lecanemab (Leqembi) und Donanemab (Kisunla) stehen erstmals Medikamente zur Verfügung, die gezielt an Amyloid beta binden und die Amyloidlast im Gehirn reduzieren können. In grossen randomisierten Studien liess sich damit im frühen Stadium der Alzheimer Krankheit das klinische Fortschreiten messbar verlangsamen. Das ist keine Heilung, und bereits verlorene Fähigkeiten werden dadurch in der Regel nicht wiederhergestellt. Dennoch markiert diese Entwicklung einen entscheidenden Durchbruch: Nach Jahrzehnten intensiver Forschung gibt es erstmals eine Therapie, die bei ausgewählten Patientinnen und Patienten den Verlauf der Erkrankung nachweislich beeinflussen kann, vorausgesetzt die Alzheimer Pathologie ist durch Biomarker bestätigt.

Damit diese Behandlung sicher ist, braucht es eine sorgfältige Auswahl der Patientinnen und Patienten, einen Biomarker Nachweis der Alzheimer Pathologie und ein strukturiertes Monitoring. Eine zentrale mögliche Nebenwirkung sind sogenannte ARIA, also im MRI sichtbare Schwellungen oder kleinere Blutungen, die häufig ohne Symptome bleiben, aber in seltenen Fällen klinisch relevant werden können. Deshalb sind regelmässige MRI Kontrollen, klare Ausschlusskriterien und eine gute Aufklärung unverzichtbar.

Auch regulatorisch ist viel in Bewegung. In der Europäischen Union sind beide Therapien inzwischen zugelassen, Lecanemab seit dem 15. April 2025 und Donanemab seit dem 24. September 2025. In der Schweiz ist die Zulassung derzeit noch ausstehend.

Zukünftige Forschungsansätze

Gerade weil wir jetzt erstmals wirksam in den Verlauf eingreifen können, wird Forschung noch wichtiger. Dass wir heute erstmals den Krankheitsverlauf im Frühstadium messbar beeinflussen können, ist das Ergebnis jahrzehntelanger Grundlagenforschung, klinischer Studien und technischer Fortschritte in Diagnostik und Bildgebung. Genau dieser Weg muss nun konsequent weitergehen, wenn Therapien wirksamer, sicherer und besser zugänglich werden sollen.

Zentrale Fragen sind, wie man Alzheimer noch früher erkennt, wer besonders profitiert und wer ein erhöhtes Nebenwirkungsrisiko hat, welche Kombinationen mit anderen Therapieansätzen sinnvoll sind und wie sich die Funktion von Synapsen und neuronalen Netzwerken stabilisieren lässt. Zudem rücken weitere Zelltypen im Gehirn stärker in den Fokus, etwa Gliazellen einschliesslich Oligodendrozyten, weil sie an frühen Krankheitsprozessen beteiligt sein könnten und neue therapeutische Ansätze eröffnen. Auch in Basel wird an solchen Mechanismen gearbeitet, mit dem Ziel, die Erkrankung besser zu verstehen und daraus wirksame und praktikable Therapien abzuleiten.

Zusammengefasst tritt die Alzheimer Medizin in eine neue Phase ein. Diagnosen werden präziser und früher möglich, und erstmals gibt es Therapien, die den Verlauf im Frühstadium nachweislich verlangsamen können. Gleichzeitig bleiben Aufklärung, realistische Erwartungen, Sicherheit, der Ausbau der Versorgungsstrukturen und ein klares Bekenntnis zu weiterer Forschung zentral, damit Fortschritt im Alltag der Betroffenen ankommt und sich die therapeutischen Möglichkeiten in den kommenden Jahren weiter verbessern.