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Mehr als Dekoration: Wie Bilder im Spital Erinnerungen wecken und Genesung fördern

13. February 2026 · ·

Das unmittelbare räumliche Umfeld hat einen wichtigen Einfluss auf das Wohlbefinden von Patientinnen und Patienten in Spitälern. Zahlreiche Studien zeigen, wie Menschen auf ihre Umgebung reagieren und dass Farben und Bilder die Wahrnehmung beeinflussen. Farben lösen Assoziationen und Emotionen aus, beeinflussen unser Denken und letztlich sogar die Art, wie wir handeln. Besonders bemerkenswert: Die Forschung weist wiederholt auf die regenerierende Wirkung der Natur, ihrer Farben und Strukturen hin.

Die Umsetzung in der UAFP: 500 Fenster zur Heimat

Dieses Wissen wird in der Universitären Altersmedizin FELIX PLATTER angewandt, um den Genesungsprozess und die Orientierung zu unterstützen: Sämtliche Patientenzimmer und Gänge sind sowohl in sanften Tönen gestrichen als auch mit über 500 fenstergrossen Fotografien aus dem Raum Basel ausgestattet. Diese Bildauswahl folgt klaren Erkenntnissen: Patientinnen und Patienten bevorzugen am häufigsten Bilder, die Ruhe ausstrahlen und deren Thema leicht zu erkennen und zu verstehen ist. Naturdarstellungen, insbesondere fotografische Naturdarstellungen, erweisen sich dabei als besonders beliebt, da sie eine grundsätzlich beruhigende Wirkung auf den Menschen ausüben. Die vertrauten Motive aus der Natur und den gewohnten Alltagsumgebungen der Region Basel wecken positive Erinnerungen. Lesbare Bilder helfen den Patientinnen und Patienten, in der fremden Umgebung ihres Zimmers eine bindende Atmosphäre zu schaffen und sich in den Motiven wiederzufinden.

Patientengeschichte: Wenn ein Bild einer «Schüür» Kindheitserinnerungen weckt

Sich in den Motiven wiederzufinden – was diese schlichte Formulierung in der Praxis bedeutet, zeigt die Geschichte des Patienten Herrn P. eindrücklich. Als er sein Zimmer Nr. 223 betritt, sticht ihm das fenstergrosse Bild an der Wand sofort ins Auge: die «Schüür», eine traditionelle Scheune aus dem Oberbaselbiet. Trotz seines belastenden Zustandes, krank im Spital zu sein, löst dieser Anblick pure Freude aus, «ein extremes Glücksgefühl», wie er es selbst beschreibt. Denn das Motiv erinnert ihn unmittelbar an die Scheune seines Grossvaters. Jene Scheune, bei der er als Kind spielte, Tee und Zvieri bekam und für das Kartoffelaufheben einen Batzen verdiente.
„Dass mir ein Teil des Oberbaselbiets im Zimmer begegnet, habe ich nicht erahnt“, erzählt Herr P. Ein Bild, an das er während Jahrzehnten nicht mehr denkt, holt ihn unvermittelt zurück in seine Kindheit. „Als hätte sich ein Kreis meines Lebens geschlossen – und das in einem Spital, wo ich es nicht erwarte.“

Bewegung dank Fotomotiven wiedergefunden

Für Herrn P., einen sehr naturverbundenen und bewegungsliebenden Menschen, der trotz seiner rheumatischen Erkrankung täglich Radtouren unternimmt, ist die Immobilität im Spital besonders schwierig. Das Rheuma zwingt ihn zur Bewegung, denn nur so kann er sich gesund und mobil halten. Mit Schmerzen und einem entzündeten Gelenk ist ihm genau dies nicht mehr möglich. Die Bilder im Zimmer und auf den Spitalgängen werden für ihn zu einem Ersatz der gewohnten Aktivitäten draussen. Sie beflügeln ihn, motivieren ihn trotz Gangschwierigkeiten und Schmerzen aufzustehen, die Pflegestation zu entdecken und die anderen Naturbilder aus dem Baselbiet anzuschauen. Die vertrauten Motive aus seiner Heimatregion helfen ihm, sich auch körperlich besser zu fühlen, und vermitteln ihm die vertrauten Gefühle seiner Kindheit im Oberbaselbiet.

Hoffnung in vulnerabler Situation

In Gedanken verschwindet er immer wieder im Bild der «Schüür» und vergisst dabei manchmal, dass er im Spital ist. „Es hilft mir, Hoffnung und Energie zu tanken in einer vulnerablen, ausgelieferten Situation“, sagt Herr P. Das Bild wirkt trotz dem Spitalalltag und seiner Erkrankung beruhigend, motiviert ihn möglichst schnell zu genesen und schliesst den Kreis mit der Dankbarkeit für sein langes und erfülltes Leben.

Inzwischen ist Herr P. erfolgreich nach Hause ausgetreten und bald wieder mit dem Velo im Baselbiet unterwegs.