
Lewy-Body-Demenz – eine oft verkannte Form der Demenz
Wenn von Demenz die Rede ist, denken viele zuerst an Alzheimer. Dabei gibt es weitere Demenzformen, die weniger bekannt, aber für Betroffene und Angehörige nicht weniger herausfordernd sind. Eine davon ist die Lewy-Body-Demenz.
Benannt ist sie nach dem Neurologen Friedrich H. Lewy, der diese Erkrankung bereits 1912 beschrieb. Lewy war übrigens ein Schüler von Alois Alzheimer, der die Alzheimer-Krankheit entdeckt hat. Heute gilt die Lewy-Body-Demenz als vierthäufigste irreversible Demenzform. In der Schweiz leben schätzungsweise rund 8'000 Menschen mit dieser Diagnose. Die Dunkelziffer dürfte höher sein, denn die Diagnose ist anspruchsvoll und nicht immer eindeutig.
Typische Symptome – vielseitig und eindrücklich
Die Lewy-Body-Demenz zeigt sich oft durch eine Kombination verschiedener Kernsymptome, die in dieser Form einzigartig sind:
Parkinson-ähnliche Symptome wie verlangsamte Bewegungen, Muskelsteife oder Zittern
Starke Schwankungen der Aufmerksamkeit: Betroffene können innerhalb von Minuten sehr präsent wirken und kurz darauf kaum ansprechbar sein – mehrmals täglich
Frühe visuelle Halluzinationen: Häufig sehen Betroffene Menschen oder Tiere, die nicht real sind
REM-Schlaf-Verhaltensstörungen: Betroffene bewegen sich im Schlaf, sprechen oder „leben“ ihre Träume körperlich aus
Die Verhaltensauffälligkeiten sind bei vielen Patientinnen und Patienten sehr ausgeprägt, welche für das Umfeld sehr eindrücklich und manchmal auch belastend sein können.
Was passiert im Gehirn?
Lewy-Body-Demenz ist eine neurodegenerative Erkrankung. Ausdruck der neurodegenerativen Krankheit sind Eiweissablagerungen im Gehirn, sogenannte Lewy-Körperchen. Diese sind toxisch und führen zum Absterben von Nervenzellen. Interessanterweise handelt es sich um die gleichen Eiweisse wie bei der Parkinson-Krankheit, allerdings lagern sie sich bei der Lewy-Body-Demenz an anderen Orten und in anderer Verteilung ab.
Der Unterschied zeigt sich auch im Krankheitsverlauf:
Während bei Parkinson zunächst meist Bewegungsstörungen im Vordergrund stehen, treten bei der Lewy-Body-Demenz frühzeitig Halluzinationen, alltagsrelevante Störungen der Aufmerksamkeit und Sinnestäuschungen auf.
Die genauen Ursachen sind – wie auch bei Alzheimer – noch nicht abschliessend geklärt. Familiäre (genetische) Formen sind sehr selten.
Behandlung: Symptome lindern, nicht heilen
Eine Heilung der Lewy-Body-Demenz gibt es bisher nicht. Die Behandlung ist symptomatisch und wird individuell angepasst.
Medikamentös kann versucht werden, den Botenstoff Acetylcholin im Gehirn zu erhöhen. Dies kann sich positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken, zum Beispiel auf die visuellen Halluzinationen und die Störung der Aufmerksamkeit.
Psychopharmaka werden bei Lewy-Body-Demenz sehr zurückhaltend eingesetzt. Einerseits verbessern sie die kognitive Leistungsfähigkeit nicht, andererseits können sie die Symptome – insbesondere Bewegungsstörungen – deutlich verschlechtern.
Netzwerk für Angehörige hilfreich
Viele Betroffene nehmen ihre Erkrankung selbst kaum wahr. Die Halluzinationen hingegen können für sie und deren Umgebung sehr belastend sein. Das führt zu Stress – und Stress wiederum kann die Symptome verstärken.
Für Angehörige ist eine klare Diagnose und gute Aufklärung enorm hilfreich. Sie ermöglicht, das Verhalten besser einzuordnen und angemessen zu reagieren. Ein strukturierter Alltag, ruhige Umgebungen und das Vermeiden von stressauslösenden Situationen können viel bewirken.
Ebenso wichtig: Unterstützung annehmen. Der Austausch mit spezialisierten Organisationen und anderen Angehörigen entlastet, gibt Sicherheit und zeigt, dass man mit dieser Herausforderung nicht allein ist.
Wenn Sie mehr über die Lewy-Body-Demenz erfahren möchten, dann hören Sie gern in die Folge 27 des Podcasts «Chopfsach» rein, in der Prof. Dr. med. Marc Sollberger, Leiter a.i. der Memory Clinic UAFP, die Krankheit anschaulich erläutert: Spotify: https://open.spotify.com/episode/1thfEVp1y7A00spUjaSWfi