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«Es geht darum, einen Schritt zurückzumachen»

08. October 2026 · ·

Yves Meier ist Co-Leiter des Palliative Care Teams (PCT) im Felix. Für ihn haben Palliativmedizin und Geriatrie etwas Entscheidendes gemeinsam: Den differenzierten Blick auf die einzelne Patientin oder den einzelnen Patienten. Dabei geht es nicht nur darum, was medizinisch möglich ist, sondern vor allem darum, was sinnvoll ist und den persönlichen Zielen entspricht.

Was ist für den Patienten wirklich sinnvoll?

In der Medizin gibt es heute viele Möglichkeiten. Gerade bei älteren, betagten oder polymorbiden Patientinnen und Patienten ist jedoch nicht alles, was medizinisch machbar ist, automatisch auch sinnvoll.

Für Yves bedeutet das, immer wieder einen Schritt zurückzugehen und sich zu fragen, welchen Nutzen eine Behandlung für die Patientin oder den Patienten tatsächlich hat.

«Dafür muss man zuerst wissen, was der Patient will», erklärt Yves.

Im Gespräch werden deshalb die persönlichen Ziele geklärt und darauf aufbauend die geeigneten Massnahmen festgelegt. Denn eine Behandlung kann nur dann sinnvoll sein, wenn sie auch zu den individuellen Bedürfnissen und Vorstellungen der betroffenen Person passt.

Schwierige Situationen gemeinsam tragen

Die Auseinandersetzung mit Sterben und Tod gehört zum Alltag in der Palliative Care und ist auch für die Fachpersonen nicht immer einfach.

Eine wichtige Unterstützung ist dabei das interdisziplinäre Team. Ärztinnen und Ärzte, Pflegefachpersonen, Seelsorge und weitere Berufsgruppen bringen unterschiedliche Perspektiven ein und tragen herausfordernde Situationen gemeinsam.

Für Yves ist genau dieser Austausch wichtig: Schwierige Situationen müssen nicht von einer Person allein getragen werden, sondern können im Team gemeinsam aufgefangen werden.

Auch die eigene Erfahrung hilft mit der Zeit dabei, schwierige Situationen einzuordnen und mit ihnen umzugehen.

Manchmal hilft es, einfach zuzuhören

Neben den herausfordernden Situationen erlebt Yves Meier in seiner Arbeit auch viele berührende Momente. Besonders in Erinnerung bleiben ihm Begegnungen, bei denen auf den ersten Blick gar nicht viel passiert ist und die trotzdem eine grosse Wirkung hatten.

Er erzählt von einer Patientin, die sich in ihrer Situation sehr hilflos fühlte. Während der Visite setzte sich Yves einige Minuten zu ihr und hörte ihr zu. Eine konkrete Lösung konnte er ihr in diesem Moment nicht anbieten.

Später erfuhr er von der Seelsorge, wie wichtig dieses Gespräch für die Patientin gewesen war. Besonders gutgetan habe ihr, dass sich jemand Zeit genommen und ihr zugehört habe.

«Obwohl ich ihr keine Lösung bieten konnte, hat es ihr bereits geholfen, dass ich ihr einfach zugehört habe.»

Für Yves zeigt diese Begegnung, dass nicht immer eine konkrete Lösung nötig ist, um etwas zu bewirken. Manchmal kann bereits ein offenes Ohr einen Unterschied machen.