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Eine neue Therapie bei früher Alzheimer-Krankheit: Was Sie über Kisunla (Donanemab) wissen sollten

17. March 2026 · ·

Was ist Alzheimer überhaupt?

Alzheimer ist die häufigste Ursache einer Demenz. Es handelt sich nicht um eine normale Alterserscheinung, sondern um eine Erkrankung des Gehirns. Dabei lagern sich krankhaft veränderte Eiweisse (Proteine), vor allem Amyloid und Tau, im Gehirn ab. Diese Veränderungen beginnen oft viele Jahre vor den ersten Symptomen und schädigen mit der Zeit Nervenzellen und ihre Verbindungen.

Die ersten Beschwerden sind oft unauffällig und nicht immer leicht einzuordnen. Häufig fällt zunächst auf, dass neue Informationen schlechter behalten werden. Gespräche, Termine oder kürzlich Erlebtes werden rasch vergessen, dieselben Fragen wiederholt oder Gegenstände verlegt. Alzheimer betrifft aber nicht nur das Gedächtnis. Auch Sprache, Konzentration, Orientierung sowie das Planen und Organisieren können früh beeinträchtigt sein. Manche Betroffene haben zudem Mühe, sich zurechtzufinden oder visuelle Eindrücke richtig einzuordnen. Hinzu kommen bei manchen Veränderungen von Stimmung oder Verhalten, etwa sozialer Rückzug, verminderter Antrieb, Unsicherheit oder Reizbarkeit.

Dass Gedächtnis, Konzentration oder geistige Schnelligkeit im Alter etwas nachlassen, ist nicht ungewöhnlich. Die Abgrenzung zwischen normalem Altern und einer beginnenden Störung ist aber nicht immer einfach. Entscheidend ist, ob Veränderungen im Vergleich zu früher neu sind, mit der Zeit zunehmen und auch von Angehörigen oder anderen nahestehenden Personen bemerkt werden, selbst wenn der Alltag noch weitgehend selbständig bewältigt wird. Solche Veränderungen sollten ärztlich abgeklärt werden, am besten in einer Memory Clinic.

Eine wichtige Neuzulassung in der Schweiz

Anfang Februar 2026 hat Swissmedic Kisunla (Wirkstoff: Donanemab) für die Schweiz zugelassen. Damit gibt es in der Schweiz erstmals eine Behandlung gegen die frühe Alzheimer-Krankheit, die nicht nur Symptome lindern soll, sondern den Krankheitsverlauf im frühen Stadium verlangsamen kann. An der Universitären Altersmedizin FELIX PLATTER und in der Memory Clinic in Basel haben wir uns auf diese neue Therapie vorbereitet und können sie geeigneten Patientinnen und Patienten anbieten.

Wie wirkt Donanemab?

Donanemab ist ein Antikörper, der gezielt an Amyloid-Ablagerungen im Gehirn bindet. Dadurch werden diese Ablagerungen für die Abwehrzellen des Gehirns besser erkennbar und können nach und nach abgebaut werden. Ziel ist es, die Amyloid-Belastung im Gehirn zu verringern und so das Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit im frühen Stadium zu verlangsamen.

Damit unterscheidet sich Donanemab von bisherigen Alzheimer-Medikamenten wie Donepezil oder Memantin. Diese können bei manchen Betroffenen Beschwerden vorübergehend etwas lindern oder stabilisieren, greifen aber nicht direkt in die krankhaften Veränderungen im Gehirn ein. Donanemab setzt dagegen an einer typischen Veränderung der Alzheimer-Krankheit selbst an und soll so den Krankheitsverlauf bremsen.

Was bringt die Behandlung konkret?

Donanemab heilt Alzheimer nicht, kann das Fortschreiten der Erkrankung im frühen Stadium aber messbar verlangsamen. Unter Donanemab schritt die Erkrankung im untersuchten Zeitraum von 18 Monaten um rund 30 Prozent langsamer voran. Das entspricht einem Zeitgewinn von etwa 4 bis 6 Monaten. Neuere Langzeitdaten deuten darauf hin, dass dieser Vorteil mit längerer Beobachtung noch weiter zunehmen könnte. Gleichzeitig war das Risiko um 37 Prozent geringer, innerhalb dieses Zeitraums in ein schwereres Krankheitsstadium überzugehen, zum Beispiel von einer leichten kognitiven Störung in eine leichte Demenz. Für Betroffene und ihre Angehörigen kann das bedeuten, dass wichtige Fähigkeiten länger erhalten bleiben und mehr Zeit in einem früheren, oft selbständigeren Stadium der Erkrankung gewonnen wird.

Wer kann von dieser Therapie profitieren?

Kisunla ist nicht für alle Menschen mit Alzheimer geeignet. Die Zulassung gilt für Erwachsene, die folgende Voraussetzungen erfüllen:

·       Frühes Stadium: Die Behandlung ist nur für Erwachsene mit einer leichten kognitiven Störung oder einer leichten Demenz aufgrund von Alzheimer zugelassen.

·       Nachweis von Amyloid: Es muss sicher gezeigt werden, dass tatsächlich für Alzheimer-typische Amyloid-Ablagerungen im Gehirn vorliegen. Das geschieht mit einer geeigneten Untersuchung, zum Beispiel mit einer Amyloid-PET.

·       Gentest (ApoE): Vor Beginn der Behandlung braucht es einen Gentest. Menschen mit zwei ApoE4-Kopien kommen derzeit nicht für Kisunla infrage, weil das Risiko für Nebenwirkungen höher ist.

·       Vor Beginn wird sorgfältig geprüft, ob die Behandlung sicher ist: Dazu gehören eine MRT-Untersuchung des Gehirns und eine ärztliche Abklärung. Auch bestimmte Blutverdünner oder MRT-Befunde können gegen die Behandlung sprechen.

Wie wird das Medikament verabreicht?

Donanemab wird ambulant als Infusion in eine Vene verabreicht, in der Regel einmal alle vier Wochen. An der Universitären Altersmedizin FELIX PLATTER in Basel kommen Patientinnen und Patienten dafür in die Klinik und können danach wieder nach Hause gehen. Die Infusion selbst dauert mindestens 30 Minuten. Anschliessend bleiben die Patientinnen und Patienten noch mindestens 30 Minuten zur Beobachtung in der Klinik. Während der Behandlung sind regelmässige MRT-Kontrollen erforderlich, um mögliche Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen. Die Behandlung ist nicht auf Dauer angelegt, sondern wird so lange fortgeführt, bis die Amyloid-Ablagerungen weitgehend entfernt sind, spätestens jedoch nach 18 Monaten.

Gibt es Risiken?

Wie jedes wirksame Medikament kann auch Donanemab Nebenwirkungen verursachen. Dazu gehören Reaktionen während oder kurz nach der Infusion. Typische Beschwerden sind Rötung, Schüttelfrost, Übelkeit oder Erbrechen, Schwitzen und manchmal auch Veränderungen des Blutdrucks. In der Regel lassen sich diese Reaktionen gut behandeln.

Am wichtigsten sind jedoch sogenannte ARIA. Das sind Veränderungen im MRT des Gehirns, meist vorübergehende Schwellungen oder kleine Blutungszeichen. Vereinfacht gesagt zeigen sich mit dem heute verwendeten schrittweisen Dosierungsschema bei etwa 1 von 8 Behandelten solche Schwellungen im MRT. Beschwerden machen sie deutlich seltener, etwa bei 1 von 30 Behandelten. Wenn Symptome auftreten, sind es meist Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Schwindel oder Übelkeit. Die meisten dieser Veränderungen treten in den ersten Monaten, vor allem in den ersten sechs Monaten, auf und bilden sich in der Regel wieder zurück. Selten können sie auch schwer verlaufen.

Zu den ARIA gehören auch kleine Blutungszeichen, sogenannte Mikroblutungen. Solche Befunde können im höheren Alter, bei Alzheimer und auch unabhängig von der Behandlung vorkommen und bleiben oft ohne akute Beschwerden. Unter Donanemab ist aber wichtig, ob neue Mikroblutungen auftreten oder bestehende zunehmen. Genau deshalb sind die MRT-Kontrollen vor und während der Behandlung so wichtig. Sehr selten können auch grössere Blutungen im Gehirn auftreten. Dieses Risiko ist insgesamt niedrig und lag in den Studien bei unter 1 Prozent.

Warum ist frühes Handeln so wichtig?

Das Zeitfenster für eine Behandlung mit Kisunla ist begrenzt. Die Behandlung kommt nur im frühen Stadium einer Alzheimer-Krankheit in Frage, also bei einer leichten kognitiven Störung oder einer leichten Demenz. Umso wichtiger ist es, anhaltende Veränderungen früh ärztlich abklären zu lassen. Wer bei sich selbst oder bei einer nahestehenden Person anhaltende Probleme mit Gedächtnis, Orientierung, Sprache oder Denken bemerkt, sollte dies ernst nehmen. Eine frühe Abklärung an der Memory Clinic der Universitären Altersmedizin FELIX PLATTER kann helfen, die Ursache rasch einzuordnen, andere mögliche Gründe für die Beschwerden auszuschliessen und zu prüfen, welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen. Und auch wenn am Ende keine Anti-Amyloid-Therapie infrage kommt, ist eine frühe Diagnose wertvoll, weil sie Klarheit schafft und rechtzeitig Unterstützung für Betroffene und Angehörige ermöglicht.

 

Bei fachlichen Rückfragen wenden Sie sich gerne an:
Prof. Dr. Dr. med. Marc Aurel Busche
Departementsleiter und Chefarzt der Memory Clinic
Universitäre Altersmedizin FELIX PLATTER
marcaurel.busche@felixplatter.ch