
Die Kompetenz im Hintergrund – das Labor der Universitären Altersmedizin FELIX PLATTER
Wenn Patientinnen und Patienten die Universitäre Altersmedizin FELIX PLATTER (UAFP) betreten, machen sie sich selten Gedanken darüber, was hinter den Kulissen passiert, bevor ein Arzt oder eine Ärztin eine gesicherte Diagnose stellen oder eine Behandlung einleiten kann. Ein wesentlicher Teil dieser unsichtbaren Arbeit findet im klinischen Labor im Untergeschoss des Spitals statt. Als Labor Typ B ist es für die medizinische Grundversorgung des Spitals verantwortlich und deckt dabei ein breites Spektrum ab: Zur Hämatologie gehören beispielsweise kleine und grosse Blutbilder, die klinische Chemie umfasst unter anderem Nieren-, Leber- und Entzündungswerte und in der Immunologie werden etwa Schilddrüsen- und Vitamin-D-Werte bestimmt. Hinzu kommen die Immunhämatologie mit Blutgruppen- und Antikörperbestimmungen und Bereitstellen von Blutkonserven, sowie die Mikrobiologie, in der beispielsweise Stuhl- und Urinproben, Blutkulturen oder Abstriche für Erregernachweise wie Norovirus und SARS-CoV-2 analysiert werden.
Ein Tag im Labor
Das Labor steht über Nacht still. Um 7 Uhr werden alle Systeme hochgefahren, und ab 8 Uhr beginnt der Tagdienst. In der ersten Stunde treffen bereits die meisten Proben über die Rohrpost ein. Eine automatische Entladestation nimmt die eingehenden Sendungen entgegen, die Proben werden aus den Versandbeuteln genommen und ihr Barcode gescannt. Auf dem Röhrchen sind Name, Vorname, Geburtsdatum und Station der Patientinnen und Patienten vermerkt.
Bevor eine Analyse starten kann, müssen die Pflegenden auf der Station die Entnahme im Laborinformationssystem bestätigen. Diese Freigabe ist nicht bloss eine Formalität: Sie stellt sicher, dass das Material tatsächlich bei der richtigen Patientin bzw. beim richtigen Patienten entnommen wurde. Ohne diese Bestätigung kann keine Analyse durchgeführt werden.
Die Analysegeräte lesen den Barcode selbstständig ein und speisen die Ergebnisse direkt ins System. Der entscheidende nächste Schritt ist allerdings manuell: Jeder Wert wird von den Labormitarbeitenden validiert, das heisst, mit Vorwerten verglichen und auf Plausibilität geprüft. Ergibt ein Wert keinen Sinn oder weicht er stark von früheren Messungen ab, erfolgt Rücksprache mit der zuständigen Ärztin oder dem zuständigen Arzt. Sollte für die Abweichung keine Erklärung gefunden werden, wird gegebenenfalls eine neue Entnahme verordnet. Erst wenn alles stimmt, werden die Befunde im Patienteninformationssystem freigegeben.
Je nach Wochentag bearbeitet das Labor zwischen 100 und 140 Aufträge. Die Turnaroundtime (TAT), also die Zeit vom Probeneingang bis zur Ergebnisfreigabe, beträgt bei Routinebefunden rund 45 bis 60 Minuten.
Wenn es dringend wird
Nicht jede Analyse kann warten. Die Ärzteschaft kann bei der Verordnung einen Notfallstatus setzen, den auch die Pflege einsehen kann. Bestimmte Parameter sind grundsätzlich als Notfall vormarkiert: Beispielsweise muss Troponin als Herzinfarktmarker innert 30 Minuten vorliegen und wird der Ärzteschaft telefonisch direkt mitgeteilt. Laktat und Ammoniak müssen sogar innerhalb von 15 Minuten gemessen werden, da diese Substanzen flüchtig sind und eine korrekte Bestimmung nur zeitnah nach der Entnahme möglich ist.
Ausserhalb der regulären Arbeitszeiten ist das Labor im Pikettdienst erreichbar. Abends und nachts läuft dies in Absprache mit der diensthabenden Ärzteschaft und der Aufnahmestation. Im Notfall ist eine Laborantin innerhalb von 30 Minuten vor Ort, die ersten Resultate liegen dann innert einer Stunde vor. Am Wochenende ist das Labor vormittags besetzt, ebenfalls in enger Absprache mit dem ärztlichen Dienst.
Qualität, die regelmässig geprüft wird
Zuverlässigkeit ist keine Selbstverständlichkeit, sie muss täglich unter Beweis gestellt werden. Jedes Analysegerät wird intern mit aufgetautem Probematerial getestet. Diese Kontrollproben müssen definierte Zielwerte erreichen, um die einwandfreie Funktion zu bestätigen. Einmal monatlich erfolgen externe Qualitätskontrollen, sogenannte Ringversuche, durchgeführt von unabhängigen Instituten. Dabei werden alle angebotenen Parameter geprüft. Werden diese Kontrollen nicht bestanden, dürfen die betroffenen Analysen nicht mehr abgerechnet werden, und das Team muss anhand einer strukturierten Checkliste systematisch nach der Fehlerquelle suchen.
Für den Geräteausfall gibt es eine klare Antwort: Backupgeräte werden bereitgehalten, und regelmässige Wartungen sollen einen Totalausfall von vornherein verhindern.
Die unsichtbare Grundlage der meisten Diagnosen
Was das Labor täglich leistet, wird oft als selbstverständlich betrachtet. Es wird erwartet, dass es funktioniert. Doch hinter jedem Laborbefund stecken strukturierte Abläufe, geschultes Fachpersonal und ein hohes Mass an Verantwortung. Ohne Labor oftmals keine gesicherte Diagnose: Die gesamte Analytik, die das klinische Labor der UAFP erbringt, ist die stille Voraussetzung dafür, dass Ärztinnen und Ärzte informierte Entscheidungen treffen und Patientinnen und Patienten die richtige Behandlung erhalten können.