Ruhiges Umfeld entscheidend für Delirbehandlung
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Ruhiges Umfeld entscheidend für Delirbehandlung

31 Aug 2021

Je weniger ein Mensch krankheitsbedingten Stress bewältigen kann (verminderte Resilienz), desto wahrscheinlicher wird es, dass das Gehirn im Rahmen einer akuten Erkrankung (Blaseninfekt oder Schenkelhalsfraktur) mit einem Delir (akuter Verwirrtheitszustand) reagiert. Der Zustand ist vorübergehend und ebbt mit der Gesundung wieder ab. Während eines Delirs können Betroffene ihre Umwelt häufig nicht mehr verstehen und fürchten sich vor den geistigen Veränderungen, die sie teilweise selbst wahrnehmen. Ein Delir ist ein Ausnahmezustand, der als traumatisch erlebt werden kann. Betroffene profitieren entscheidend von einer rasch eingeleiteten spezialisierten Behandlung, wie sie die DelirUnit der Universitären Altersmedizin FELIX PLATTER (UAFP) bietet. Hier wird neben der ursächlichen Behandlung des Delir-Auslösers besonderer Wert auf eine ruhige und entspannende Atmosphäre, die sämtliche Stressfaktoren minimiert, gelegt. Die gemeinsame Einnahme individuell angepasster Mahlzeiten im Aufenthaltsraum, angemessene Bewegung sowie orientierende und empathische Kommunikation stehen im Zentrum der Behandlung. Dadurch gelingt es, die Anwendung von Beruhigungsmitteln zu minimieren.

 

Weil Menschen mit Delir häufiger stürzen und sich dabei verletzen können, bedarf es einer engmaschigen Überwachung. Doch auch kognitiv stark eingeschränkte Personen haben ein klares Empfinden für Privatsphäre und Distanz. Die Anwesenheit etwa einer Sitzwache kann als störend empfunden werden und dadurch Stress auslösen, was eine erfolgreiche Delirbehandlung erschwert. Technische Hilfsmittel wie das Radarsystem QUMEA, das die UAFP seit einiger Zeit erfolgreich im Einsatz hat, können dieses Problem lösen, denn sie fügen sich unauffällig in die Raumumgebung ein. QUMEA informiert die Pflege unauffällig, wenn ein sturzgefährdeter Patient ohne die Patientenglocke zu bedienen das Bett verlassen möchte. Sturzverletzungen können somit verhindert werden, ohne dass der Patient in seiner Bewegungsabsicht eingeschränkt werden muss.

 

Die DelirUnit wurde darüber hinaus auch baulich so konzipiert, dass Stress möglichst vermieden wird: Grosszügige Innen- und Aussenräume lassen einen hohen Bewegungsdrang zu, schützende Massnahmen wie verschlossene Türen sind so diskret wie möglich gestaltet. QUMEA-Warnungen werden auf die Mobiltelefone der Pflegepersonen übertragen. Dies trägt zur Reduktion störender akustischer Alarme bei und fördert eine ruhige Umgebung. Bodenbetten und weitere bauliche Vorkehrungen minimieren Verletzungsrisiken, selbst wenn eine Person unbeobachtet das Bett verlässt. Entscheidend ist darüber hinaus, dass die Mitarbeitenden der DelirUnit mit grosser Ruhe und Empathie für Patientinnen und Patienten da sind und damit ein Ambiente schaffen, das so angenehm und vertrauensbildend wie möglich ist und damit eine nachhaltig erfolgreiche Delirbehandlung fördert.

Dr. med. Isabella Glaser, Leitende Ärztin, DelirUnit, Dr. phil. Wolfgang Hasemann, Leiter Basler Demenz-Delir-Programm
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