Wie "gesund" kann das Alter sein?
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Wie "gesund" kann das Alter sein?

Vor etwa 140 Jahren war eine von Versen begleitete Bildfolge sehr populär. Sie zeigte die verschiedenen Lebensstufen und stellte hier ultimativ fest: "70 Jahr ein Greis". Dass heute der saloppe Spruch "70 ist das neue 50" im Umlauf sein kann, ist dem enormen medizinischen Fortschritt und veränderten Lebensbedingungen zu verdanken. Heisst dies nun, dass wir alle die Chance haben, bis ins hohe Alter frisch, fit, fröhlich und formstabil zu bleiben? Heftig widersprechen werden all jene Seniorinnen und Senioren, denen die Erfahrung deutlich gemacht hat, dass die Lebensqualität ein unsicheres Terrain ist. 

 

Ein Sturz, Gangunsicherheit oder etwa auch Beschwerden im Magen-Darm-Bereich – und schon ist unser persönlicher Fahrplan ausser Kurs. Bemerkungen wie "Ach weisst du, das geht allen so" oder "Das ist nun mal das Alter" bieten weder Trost noch Hilfe, sondern stossen im Gegenteil sauer auf. Besonders mies ist die Stimmungslage, wenn man sich mit AltersgenossInnen vergleicht, denen Fitness förmlich aus allen Poren zu lachen scheint.

    

Was verstehen Sie unter Gesundheit?

Gesundheit ist ein hohes Gut, da sind wir uns wohl einig.  Im Alter stellen sich Fragen:

"Was bedeutet Gesundheit für mich ganz persönlich? Mit welchen Einschränkungen kann ich mich gut oder ziemlich gut arrangieren und was empfinde ich als Kränkung, als Minderung meiner Selbständigkeit, als lähmende Ermüdung und Energieverlust? Wo stehe ich, wo will oder kann ich noch hin?"

 

Die Klassifizierung "70 Jahr ein Greis" ist zwar von einer dicken Staubschicht bedeckt, sondert aber manchmal ein unangenehmes Gerüchlein ab. Unter anderem dann, wenn sich ein Arzt oder eine Ärztin bei der Behandlung eines alten Menschen zu sehr von medizinischen Normen oder von Statistiken leiten lassen und die Einzelpersönlichkeit etwas aus dem Blick verlieren.  

 

Alter als Prozess

Der Psychologie-Professorin Pasqualina Perrig-Chiello verdanken wir die Feststellung, das Alter sei kein normierter Zustand, sondern ein Prozess mit unterschiedlichen Verläufen. 

Dass "Gesundheit" für jeden alten Menschen eine andere, sehr individuelle Bedeutung haben kann, wissen glücklicherweise die Fachpersonen, die im Bereich Universitäre Altersmedizin FELIX PLATTER tätig sind. Vor Jahrzehnten lachte eine Gruppe von Hausärzten spöttisch, als ihnen der aus England stammende Referent den Rat gab, sich an guten Tierärzten ein Beispiel zu nehmen. Dass es nicht um einen billigen Gag ging, begriffen sie, als der Referent ausführte: "Der Tierarzt beobachtet die Beschaffenheit des Fells, die Haltung der Ohren, den Blick und andere Befindlichkeiten des Tieres. Sie als Humanmediziner sind oft schon nach sehr kurzer Zeit überzeugt, eine Diagnose stellen zu können."

 

Dieser Vergleich ist diskussionsdürftig, ermöglicht jedoch einen Gedankensprung. Zum Dank an eine Altersmedizin, die weiss, dass Empathie und Respekt wichtige Behandlungselemente sind, und dass jeder alte Mensch nicht als "Fall", sondern als Individuum wahrgenommen werden möchte.

 

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Meta Zweifel, Jahrgang 1933, schreibt als freie Journalistin für verschiedene Gesundheitsmagazine. Die ehemalige DRS-Moderatorin und Chefredaktorin der Fachzeitschrift Drogistenstern ist unter anderem Mitglied im Seniorenrat Münchenstein und moderiert regelmässig die Veranstaltungsreihe ALTERNATIVEN in der Universitären Altersmedizin FELIX PLATTER. In lockerer Folge widmet sie sich im FELIX PLATTER-Blog Gesundheitsfragen im Alter.    

Meta Zweifel
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